Berufsorientierung der Generation Z

Die Generation Z umfasst, je nach Autor, die ab 1995 oder 1999 Geborenen. Ihnen gemeinsam ist, dass Sie mit digitalen Medien aufgewachsen sind. Man bezeichnet Sie auch als sogenannte Digital Natives.

Diese Altersgruppe rückt ins Berufsleben vor, ob als Auszubildende mit 16 oder als Studiums-Absolventen mit rund 24 Jahren. Insbesondere auch aufgrund des Fachkräftemangels ist es für Unternehmer wichtig, zu verstehen wie Sie diese jungen Leute für Ihre Unternehmen begeistern können.

2015 hat Christian Scholz in seinem Artikel „Junge Berufseinsteiger ticken anders…“ die Generation Z beschrieben, als eine Generation mit einer klaren Präferenz für die Trennung von Berufs- und Privatleben. Die Freizeit hat einen hohen Stellenwert. Positiv formuliert:“…. ist es durchaus positiv, die Arbeitswelt nicht so verbissen zu sehen und gewisse Prioritäten auf Freizeit beziehungsweise Familie zu legen.“

Die 18. Schell Jugendstudie 2019 beschreibt die Generation Z als eine Generation mit einer starken pragmatischen Grundorientierung, die sich in hohem Maße an Leistungsnormen orientiert und der sozialen Beziehungen wichtig sind. Ebenfalls wird wert auf deine bewusstere Lebensführung und Umweltschutz gelegt. Tugendhaftigkeit und Tüchtigkeit, Respekt vor Gesetz und Ordnung sowie Fleiß und Ehrgeiz gehören für diese Generation zu den wichtigen Leitbildern, und zwar über sozialen alle Schichten hinweg.

Welche Erwartungen hat diese Generation an den Beruf? Hier dominierte in 2019 das Bedürfnis nach Sicherheit, 93% der Jugendlichen halten einen sicheren Arbeitsplatz für sehr wichtig; wobei der gleiche Prozentsatz auch angeben, dass Familie und Kinder neben dem Beruf nicht zu kurz kommen dürfen.

Die Autoren der Studie haben die Erwartungen an die Berufstätigkeit anhand von fünf Dimensionen zusammengefasst:

  • Nutzenorientierung: Gutes Einkommen, gute Karrierechancen und genügend Freizeit
  • Erfüllungsorientierung: Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns
  • Vereinbarkeit von Arbeit und Leben: Anpassung der Arbeitszeit an die eigenen Bedürfnisse
  • Die Planbarkeit der Berufstätigkeit bezieht sich auf die alltägliche Dimension des Berufslebens, geregelte Arbeitszeiten, mit festem Anfang und Ende.
  • Die Karriereorientierung: d.h. für Karrierechancen können auch Überstunden oder Wochenendarbeit geleistet werden, bei entsprechendem Ausglich. (diese Dimension hatte die geringste Zustimmung)

Aus diesen fünf Aspekten haben die Autoren vier Berufsorientierungstypen abgeleitet.

32% der Generation Z werden den Durchstartern zugerechnet. Sie glauben an eine Karriereentwicklung aufgrund von harter Arbeit. Ihnen ist der Nutzen, aber auch die Erfüllung im Erwerbsleben zentral, sowie die Bedeutung der eigenen Karriere, die allerdings in Vereinbarkeit von Arbeit und anderen Lebensinhalten stehen muss. Erstaunlich ist, dass diese Gruppe der Durchstarter sich in allen Bildungs- und sozialen Schichten findet.

Die Bodenständigen bilden 24% der Befragten, die hinsichtlich Bildung, Schichtenzugehörigkeit und Herkunft ebenfalls einen Querschnitt der Bevölkerung abbilden. Für Sie dominieren im Beruf Nutzen und alltägliche Planbarkeit. Die Sicherheit des Arbeitsplatzes liegt ihnen am Herzen.

Fast ebenso viele Jugendliche (23%) werden der Gruppe der Distanzierten zugerechnet, für die wesentliche Aspekte des Berufslebens generell weniger Bedeutung haben. Ähnlich wie den Bodenständigen sind Ihnen die alltägliche Planbarkeit der Arbeit sehr wichtig. Die Distanzierten stammen häufiger aus niedrigeren Herkunfts- und Bildungsschichten.

Die Idealisten, 21% der Jugendlichen, stellen die Erfüllung Ihrer Ideen in den Vordergrund, für Sie ist es wichtig, dass der Beruf nicht ihr gesamtes Leben dominiert. Alltägliche Planbarkeit ist ihnen weniger wichtig, und die Bereitschaft zu Überstunden oder flexiblen Arbeitszeiten ist eher moderat. Idealisten finden sich häufiger in oberen Sozialen- und Bildungsschichten.

Die Befragungen wurden Anhand einer Einstufungsskala von 1=unwichtig bis 7= außerordentlich wichtig, durchgeführt, entsprechend der Hypothese, dass sich unterschiedliche Orientierungen nicht ausschließen müssen.

Wird die Generation Z zu einer Priorisierung der Berufsaspekte gezwungen (ebenfalls in der 18. Schell Jugendstudie abgefragt) bevorzugen die meisten Jugendlichen materielle Aspekte und die Sicherheit des Arbeitsplatzes vor der Wertigkeit Ihrer Arbeit. „Der sichere Arbeitsplatz, die Erwartung genügend Freizeit neben der Berufstätigkeit zu haben und ein hohes Einkommen liegen bei der Abfrage nach den Prioritäten weit vorne“. Man kann aus diesen Aussagen schließen, dass die Generation Z eine pragmatische Grundorientierung hat.

Die hohe postulierte Leistungsorientierung der Generation Z liegt sicher auch in der Befragungstechnik begründet. Wobei z.B. auf die Frage: „Wie wichtig sind denn die folgenden Dinge für dich persönlich: Fleißig und ehrgeizig zu sein“ über alle Bildungsschichten mehr als zwei Drittel der Jugendlichen zustimmten. Über eine praktische Umsetzung im eigenen Leben ist damit allerdings nichts gesagt und ein gewisser sozialer Erwünschtheit Bias der Antworten kann sicher auch nicht ausgeschlossen werden. Immerhin geben auch vier von fünf Jugendlichen an, dass Leben in vollen Zügen genießen zu wollen, was einhergeht mit der Bedeutung sozialer Beziehungen. Diese Orientierung kann auch als eine Abwendung von Leistungsnormen interpretiert werden.

Es wurde ebenfalls eine Freizeittypologie erstellt, in der die Medienfokussierten mit 37% den größten Anteil ausmachen, gefolgt von den Familienorientierten (31%), den Geselligen (17%) und den kreativ-engagiert Aktiven (15%). Wobei aufgrund der Erhebungsform sich unterschiedliche Orientierungen nicht ausschließen, und bezüglich der Mediennutzung 64% der Generation Z mehr als 4 Stunden täglich im Netz unterwegs sind. Der Rest ist immerhin knapp 3 Stunden täglich im Internet.

Wie nicht anders zu erwarten ist auch die Generation Z sehr heterogen, aber es ist sicher für jeden Unternehmer interessant, dass Sicherheit, Planbarkeit, materielle Aspekte, soziale Kontakte, auch über Mediennutzung und Freizeit einen hohen Stellenwert haben.

 

Quelle:

  1. Christian Scholz:Junge Berufseinsteiger ticken anders – Auf Generation Y folgt Generation Z. computerwoche.de. 4. Februar 2015
  2. Shell Jugendstudie 2015. Shell Deutschland (Hg.) (2015). Frankfurt: Fischer
  3. Shell Jugendstudie 2019. Shell Deutschland (Hg.) (2019). Beltz

 

 

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